Potocnik: Tausende betroffene Urfahraner tappen bei den S-Bahn-Linien immer noch völlig im Dunkeln

In den letzten Wochen jagte eine Pressekonferenz die andere: Das Linzer Stadtbahn-Projekt mit den beiden S-Bahn-Linien S6 und S7 ist zumindest am Papier voll auf Schiene, die Trassenführung quer durch Urfahr bereits fixiert. Was allerdings bis heute fehlt, sind Informationen an die Bürger – tausende Urfahraner sind direkt oder indirekt von diesem Projekt betroffen: „Vier vollwertige Gleise werden quer durch den Linzer Norden und durch Wohngebiete gebaut, ein neuer „Bahnhof“ (Nahverkehrsknoten Urfahr Ost, beim Lindbauer) soll entstehen, aber bis heute gab es keine einzige Dialogveranstaltung. So geht keine kooperative Stadtentwicklung!“, sagt Lorenz Potocnik von NEOS Linz, an den sich mehrere Betroffene gewandt haben. „Alle sind für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, aber ohne Einbindung der Bewohner könnte das Projekt ordentlich nach hinten losgehen“, drückt mit Guido Klinger ein Anrainer seinen Ärger über die unverständliche Geheimniskrämerei aus. Gefordert wird als erster Schritt eine Projektpräsentation mit allen Details.

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Es ist ein 700 Millionen-Euro-Megaprojekt, das in den nächsten Jahren entstehen soll: Vom Westen soll die Mühlkreisbahn künftig im 15-Minuten-Takt quer durch das Zentrum Urfahrs zur neuen Donaubrücke rollen. Vom Nordosten wiederum wird die neue S7 aus Gallneukirchen kommend quer durch das Univiertel, Dornach-Auhof und das Wohngebiet rund um die Linke Brückenstraße und die enge Prager Straße fahren. Beide kreuzen sich bei einem neuen „Bahnhof“ („Nahverkehrsknoten Urfahr Ost“). Direkt betroffen wären tausende Bewohner. Die Sorgen, dass damit auch die oft hart erarbeitete Lebensqualität beeinträchtigt wird, sind verständlich: Es geht um zwei vollwertigen Bahntrassen mit je zwei Gleisen. Das sind zwei Schneisen von jeweils gut zehn Metern Breite, die quer durch Urfahr gebaut werden müssen. Beide S-Bahnen werden im Vollbetrieb im 15-Minuten-Takt verkehren: „Das bedeutet, dass alle 7,5 Minuten ein Zug durch die Wohngebiete fährt“, sagt Lorenz Potocnik von NEOS Linz. Diese Leichtzüge sind dringend notwendig, Alternativen gibt es kaum, weil es die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten komplett versäumte, entsprechende Trassen einzuplanen und freizuhalten. „Ständig wird nur von den Vorteilen für die Pendler gesprochen. Die Sorgen und Einwände der betroffenen Urfahraner sind aber ebenfalls gleich schwer zu bewerten. Diese einzubinden ist notwendig für den Erfolg!“
„Seit vier Jahren keinerlei Information“

Lorenz Potocnik nennt eine maximale Berücksichtigung in Sachen Lärmschutz, Optimierungen der Streckenführung, Abstände zu Wohngebieten, mögliche Beeinträchtigung der Zufahrtssituation zu Wohnhäusern, Begrünungen, Gleisübergänge, aber auch den möglichen Wegfall von Bewohnerparkplätzen als wichtigste Punkte, die die Bewohner am Tisch haben wollen. Guido Klinger etwa ist ein direkt Betroffener: Die Mühlkreisbahn würde künftig sein Wohnviertel im Bereich der Hauptstraße und der Reindlstraße durchschneiden: „Wir dürfen in der Zeitung lesen, dass die Trasse fixiert ist und bald alle 15 Minuten eine Zuggarnitur durch unsere Straßen rollt. Auf eine Bürgerbeteiligung oder zumindest eine Dialogveranstaltung warten wir seit vier Jahren vergebens. Von der Linzer Stadtpolitik hätte ich mir erwartet, dass auch wir Linzer zumindest informiert werden.“
„Offenes Visier“
Die Forderung ist klar. Lorenz Potocnik: „Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist unumgänglich. Das heißt aber nicht, dass über die Interessen von tausenden betroffenen Urfahranern drübergefahren werden darf. Es braucht hier die volle Einbindung und einen Dialog mit offenen Visier. Ich werde daher den Antrag stellen, so bald wie möglich eine solche Veranstaltung – natürlich unter Einhaltung alle Covid-Regeln – abzuhalten.“ Denkbar seien zusätzlich auch mehrere Info-Container, die direkt an der Trasse postiert werden, um alle Interessierten und Betroffenen einen Überblick über das Projekt zu verschaffen aber auch kritische Punkte und geprüfte Alternativen offen zu legen. Nur so kann so ein großes, wichtiges Projekt entwickelt werden.

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