Adventliches Gebet mit Bischof Scheuer und Superintendent Lehner im Zeichen von COVID-19


Stellvertretend für alle Menschen, die an COVID-19 erkrankt sind, und für alle im Gesundheitswesen, Pflege- und Sozialbereich Tätigen hielten Bischof Manfred Scheuer und Superintendent Gerold Lehner am 21. Dezember um 16.00 Uhr ein adventliches Gebet in der Kapelle des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Ried.

MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen, im Pflege- und Sozialbereich leisten in der derzeitigen Pandemie-Situation fast Übermenschliches. Sie sind extremen Belastungen ausgesetzt. Die nötige Schutzkleidung ist eine zusätzliche Erschwernis; es besteht die Sorge, sich oder andere anzustecken. Extreme Flexibilität ist gefragt: Täglich kann alles anders sein; auf vieles, was bisher selbstverständlich war, ist kein Verlass mehr. Belastend sind auch der Ausfall von KollegInnen und der Wegfall von entlastenden Sozialkontakten. Man ist mit einer gewissen Ohnmacht und mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert. Darüber hinaus müssen die beruflichen Herausforderungen mit den familiären Aufgaben in Einklang gebracht werden – ganz zu schweigen von den erschwerten Umständen für jene, die aus Nachbarländern in die Arbeit pendeln. Trotz dieser erschwerten Bedingungen sind es gerade die MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen, im Pflege- und Sozialbereich, die den ihnen anvertrauten Menschen Hoffnung, Zuversicht und Lebensmut geben.

Für diesen Einsatz sagten Bischof Dr. Manfred Scheuer (Katholische Kirche in Oberösterreich) und Superintendent Dr. Gerold Lehner (Evangelische Kirche A.B. in Oberösterreich) ausdrücklich Danke.

Bischof Manfred Scheuer: „Sie sind Freunde und Anwälte des Lebens und stellen eine Dimension Gottes dar.“

Wenige Tage vor Weihnachten wies Bischof Scheuer darauf hin, dass gerade Krankenhäuser Orte der Menschwerdung Gottes und der Menschen seien: „Sie, verehrte Mitarbeitende im Gesundheitswesen, in den Kliniken und Spitälern, in den Pflege- und Betreuungseinrichtungen der Caritas und der Diakonie überall im Land, haben die Menschwerdung angesichts von Krankheit und Sterben gelebt und gezeigt. Und der Ort der Menschwerdung ist auch und gerade in den Häusern, wo Menschen betreut und gepflegt werden. Sie, PflegerInnen, ÄrztInnen, medizinisch-technische Berufe, psychosoziale Dienste, VerwalterInnen, ÖkonomInnen, SeelsorgerInnen, RaumpflegerInnen, auch die ArchitektInnen dieser Häuser und Einrichtungen, Sie sind Freunde und Anwälte des Lebens und stellen eine Dimension Gottes dar.“
Der Bischof dankte den MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen dafür, dass sie ihre Aufgaben gewissenhaft erfüllt hätten, auch dort, wo improvisiert werden musste: „Es war ja nicht so, dass es für alles schon Pläne gab; diese mussten oft erst ausgearbeitet werden. Und wir möchten auch wahrnehmen, wie oft gerade Sie es sind, die den Kranken und Sterbenden Hoffnung, Zuversicht und auch Lebensmut geben.“

Superintendent Gerold Lehner: „Worin sie und auch wir insgesamt stehen, ist eine Übung im Mensch sein.“

Lehner verglich die heutige Herausforderung angesichts der COVID-19-Pandemie mit dem Ausbruch der Pest in Nordafrika im dritten Jahrhundert nach Christus. Es könne hilfreich sein, in einer Krise zu schauen, wie andere mit ähnlichen Situationen umgegangen wären. Der damalige Bischof von Karthago, Cyprian, habe in einem Rundschreiben versucht, den Ausbruch der Pest als eine Übung („Exerzitium“) des Mensch-Seins und Mensch-Werdens zu beschreiben.

An die MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen, im Pflege- und Sozialbereich richtete der Superintendent die Worte: „Was Sie alle hier tagtäglich tun, jede und jeder an seinem und ihrem Ort, ist nicht nur ein Job. Es ist ein tägliches Exerzitium der Liebe. Ein Exerzitium darin, da zu sein, wenn mich jemand braucht. Ein Exerzitium im Hinschauen und nicht im Wegschauen, ein Exerzitium in der Geduld, ein Exerzitium darin, immer nur die Kraft für den nächsten Schritt zu haben und kaum glauben zu können, dass man irgendwann die ganze Strecke bewältigt haben wird. Worin Sie und auch wir insgesamt stehen, ist ein Exerzitium im Mensch sein.“

Auch die Wertevorständin des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Ried im Innkreis, Petra Stelzer, richtete Worte an die Mitfeiernden in der Kapelle und via Livestream. Sie brachte die Sorgen der Betroffenen im Krankenhaus ins Wort und machte auf die Zukunftsaussichten aufmerksam: „Es ist unser Auftrag und für uns selbstverständlich, dass wir für alle kranken Menschen da sind. Derzeit können wir das nur bedingt erfüllen.“ Es würden derzeit viele Operation verschoben und die Aussicht, dass dies auch wieder aufgearbeitet werden müsse, sei belastend.

Musikalisch wurde die Feierstunde von Domkapellmeister Josef Habringer und zwei Sängerinnen stimmungsvoll begleitet.

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dioezese-linz.at/live