⬛ Gedenkveranstaltung und Requiem für Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Ratzenböck
Mit einer Gedenkveranstaltung im Steinernen Saal des Landhauses und einem Requiem im Linzer Mariendom hat Oberösterreich seinem langjährigen Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Ratzenböck die letzte Ehre erwiesen.
Zahlreiche Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher nutzten am Freitag die Möglichkeit, sich persönlich von Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Ratzenböck zu verabschieden. Heute Vormittag gedachte und dankte das Land Oberösterreich seinem langjährigen Landeshauptmann. In einer vom ORF live übertragenen Gedenkveranstaltung würdigte Landeshauptmann Thomas Stelzer seinen Vor-Vorgänger als „großen politischen Gestalter Oberösterreichs, einen Brückenbauer, der stets das Verbindende gesucht hat.“
Auch für Landtagspräsident Max Hiegelsberger hat Ratzenböck „die Entwicklung des Landes Oberösterreich zu einem selbstbewussten, erfolgreichen und lebenswerten Bundesland vorangetrieben. Viele nachhaltige politische Initiativen, von der Wirtschafts- und Sozial- bis hin zur Kulturpolitik, werden stets mit seinem Namen verbunden bleiben.“
Unter den zahlreichen Ehrengästen waren Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Familienministerin Claudia Bauer, die gesamte Landesregierung – LH Stelzer, LH-Stv. Christine Haberlander, LH-Stv. Manfred Haimbuchner sowie die Landesräte Markus Achleitner, Christian Dörfel, Stefan Kaineder, Michaela Langer-Weninger, Günther Steinkellner und Martin Winkler –, zahlreiche Landtagsabgeordnete und Bürgermeister, aber auch viele ehemalige Funktionsträger und Weggefährten von LH a.D. Dr. Josef Ratzenböck. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung von Musikerinnen und Musikern aus dem Landesschulwerk, das Ratzenböck 1977 gegründet hat und das bis heute die wichtigste Säule des Musiklandes Oberösterreich ist.
Um 12 Uhr begann im Linzer Mariendom das Requiem für den Altlandeshauptmann. Die Lesung hielt Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer, die Fürbitten brachten ehemalige Mitarbeiter – Erich Watzl, Eduard Pesendofer, Gertrude Simader und Gerhard Baumgartner – dar.
In seiner Trauerrede würdigte LH Stelzer das Lebenswerk von Dr. Josef Ratzenböck: „,Weitblick und Zusammenhalt‘ waren nicht nur ein Schlagworte, sondern politisches Programm. Es ging über die Tagesaktualität und auch über die Grenzen Oberösterreichs und Österreichs hinaus. Josef Ratzenböck hat viele Spuren und ein großes Vermächtnis übergeben, die uns Vorbild sind, aber auch Auftrag zum mutigen Weitergestalten – und uns auch die Möglichkeit dazu geben.“
Bischof Manfred Scheuer würdigte LH a.D. Josef Ratzenböck als verantwortungsbewussten Politiker mit Liebe zur Welt und den Menschen. Bezugnehmend auf das Zitat von Hannah Arendt „Politik ist angewandte Liebe zur Welt“ betonte Scheuer: „Ich glaube, dass im Leben und im Wirken von Josef Ratzenböck diese politische Dimension von Liebe durchscheint. Politik als angewandte Liebe zur Welt, das hat für Landeshauptmann Ratzenböck geheißen, nicht auszuweichen vor der Verantwortung. Josef Ratzenböck hat Verantwortung übernommen und er hat die Leute gemocht.“ Josef Ratzenböck sei als Politiker ein „Kümmerer für das gute Leben“ gewesen, gerade auch im Sozialbereich, unterstrich Scheuer. Der Bischof erinnerte daran, dass Josef Ratzenböck der Friede und eine konsensorientierte demokratische Politik heilig gewesen seien. „Das Miteinander stand für ihn im Vordergrund. Er war ein Brückenbauer zwischen Generationen zu Zeiten, in denen von einem Crash der Generationen und von der Aufkündigung des Generationenvertrags die Rede war. Er war ein Verbinder zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, ideologischen Ausrichtungen, politischen Parteien, kulturellen Stilrichtungen. Europa war für ihn ein ganz großes Friedensprojekt.“
Bischof Scheuer überbrachte auch Gruß- und Dankesworte von Bischof em. Maximilian Aichern, der von 1982 bis 1995 als Diözesanbischof von Linz „positivst“ mit Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck zusammengearbeitet hat. „Wir haben ihm als Kirche von Oberösterreich sehr viel zu verdanken“, zitierte er Bischof Aichern, der dem Verstorbenen auch für dessen „persönliche gläubige Haltung als Katholik“ und für die langjährige Verbundenheit dankte.
Musikalisch wurde die Messe gestaltet vom Domchor und dem Domorganisten. Am Domplatz spielte die Militärmusik einen Trauermarsch.
Die Beisetzung wird in den kommenden Tagen im Kreise der Familie in Neukirchen am Walde, der Heimatgemeinde von Josef Ratzenböck, stattfinden.
Baumeister des modernen Oberösterreichs
Neben all den großen standortpolitischen Errungenschaften – von der Einführung des Pflegegeldes über namhafte Betriebsansiedlungen und die Gründung des Oö. Landesmusikschulwerkes, bis hin zum Durchschneiden des Eisernen Vorhangs und dem EU-Beitritt Österreichs, wird vor allem seine Bürgernähe in Erinnerung bleiben. Politik war für Dr. Josef Ratzenböck gestaltende Arbeit für die Menschen und das Land. Er hat die Entwicklung des Landes Oberösterreich zu einem selbstbewussten, erfolgreichen und lebenswerten Bundesland vorangetrieben. Viele nachhaltige politische Initiativen werden stets mit seinem Namen verbunden bleiben – er war ein Bauherr des modernen Oberösterreichs.
Dr. Josef Ratzenböck wurde am 15. April 1929 in Neukirchen am Walde geboren. Er war von 1973 bis 1995 Mitglied der Landesregierung, zudem von 1973 bis 1979 Abgeordneter zum Landtag. Von 1977 bis 1995 war Dr. Josef Ratzenböck Landeshauptmann von Oberösterreich. Auch nach seinem Ausscheiden aus diesem Amt war er weiter als Landesobmann des OÖ. Seniorenbundes politisch tätig und ein überaus interessierter und belesener Begleiter des nationalen und internationalen politischen Lebens. In den letzten Jahren hat er zurückgezogen in Linz und Neukirchen am Walde gelebt. Am 23. Dezember 2025 ist Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Ratzenböck im 97. Lebensjahr verstorben.
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