Mit dem geplanten 1-2-3-Ticket wird das Pferd von hinten aufgezäumt

Initiative ist zu begrüßen, aber ohne zusätzliche Kapazitäten im Ballungsraum sinnlos

Vizebürgermeister Hein, der politisch in Linz auch für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zuständig ist, begrüßt natürlich die geplante Harmonisierung der unterschiedlichen Tarifsysteme, die zudem auch für viele Menschen die Nutzung des öffentlichen Verkehrs viel günstiger werden lassen wird. Natürlich sind die Tarifstruktur und der Preis wichtige Aspekte für viele Fahrgäste. Es gibt aber noch ganz andere Hürden zu überwinden. „Das größte Problem sehe ich darin, dass wir beispielsweise in Linz während der Stoßzeiten keine Kapazitäten für zusätzliche Fahrgäste vorhanden sind! Schon heute – ich als regelmäßiger Fahrgast der Linz AG Linien kenne das selbst – ist es schwer Platz zu finden. Auch die engen Abstände unter den Fahrgästen lösen bei vielen Menschen ein Unbehagen aus. Zudem erreichen viele Menschen aus dem Umland ohne ihr eigenes Auto nicht einmal die Fahrzeuge unserer Linz AG Linien.“

Es wird natürlich Menschen geben, die an attraktiven ÖV-Achsen wohnen und auch ihr Arbeitsplatz gut angebunden ist. Diese sind die Profiteure des 1-2-3-Tickets. Diese werden auch zum Teil deutlich günstiger fahren als heute. Aber für den Rest, der weder an einer attraktiven ÖV-Achse wohnt, sein Arbeits- und Wohnort nur durch schlechte Taktung – wenn überhaupt – erreichbar ist, dem nutzt auch das billige ÖV-Ticket nicht, erklärt Hein: „Wenn ich zu meinem Arbeitsplatz drei Mal so lange brauche wie mit dem eigenen PKW, ist auch ein günstigeres Ticket kein Anreiz umsteigen zu wollen. Erst muss der ÖV schneller werden. Der Ansturm auf diesen unattraktiven Verbindungen wird ausbleiben. Wo der ÖV aber bereits sehr gut ausgebaut ist, sind zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, denn für weitere Fahrgäste gibt es in der vorhandenen Infrastruktur keinen Platz mehr.“

Hein warnt davor, dass beim Ausbau die Städte überbleiben. Die können diese Kosten, weder für den Betrieb noch für den Ausbau alleine stemmen. Schon die bestehende Infrastruktur hinterlässt alleine in Linz ein Minus von mehr als 33 Mio. Euro. Es braucht daher ein neues Finanzierungskonzept, das mit dem Bund, den Ländern und den Städten zu verhandeln ist. Der öffentliche Verkehr verschlingt sowohl in der Errichtung, wie auch im Betrieb enorme Summen. „Wenn das 1-2-3-Ticket ein Erfolg werden soll. Wenn damit der Umstieg vom Auto in Richtung ÖV schmackhaft gemacht werden soll, dann sind auch die Hausaufgaben zu machen. Ansonsten droht eine riesige Steuergeldvernichtung, die nichts zur Entlastung der Verkehrssituation in Städten beigetragen hat.“