Potocnik: Finanzielles „Geisterspiel“ des Linzer Bürgermeisters rund um neues Linzer Stadion

Keine Finanzierung, trotzdem Spatenstich und Baubeginn?

Kürzlich wurde das Projekt eines neuen „Donauparkstadions“ für Linz präsentiert. Bereits zuvor versprach Bürgermeister Klaus Luger neun Millionen Euro als Baukosten-Obergrenze, wovon die Stadt Linz lediglich drei Millionen hätte tragen sollen. Mittlerweile gehen die Schätzungen bis zu 25 Millionen Euro, die bis auf einen Landes-Anteil von (fix gedeckelten) drei Millionen Euro auf der Stadt Linz „picken“ bleiben sollen – und das ohne jeden rechtsgültigen Gemeinderatsbeschluss. Mehr noch: Bürgermeister Klaus Luger verkündet sogar den Baubeginn mit Sommer 2021, obwohl weder die Projektkosten noch die Finanzierung am Tisch liegen.

„In meinen Augen ist das nicht nur ein sehr schlechter Stil, sondern auch grob fahrlässig – und ganz nebenbei: Wo Soll Linz – gerade jetzt – diese enorme Summe hernehmen?“ fragt Lorenz Potocnik von NEOS Linz. Zum Bau des Stadions kommt zudem noch ein neu zu errichtendes Trainingszentrum plus Betriebskosten für diese beiden Einrichtungen. „In Summe reden wir da dann schnell einmal von über 30 Millionen Euro. Bevor irgendwelchen weiteren Schritte gesetzt werden, muss das immer weiter ausufernde Projekt endlich im Gemeinderat besprochen werden.“
„Vermutlich will Bürgermeister Klaus Luger das neue Donauparkstadion aus eigener Tasche bezahlen. Anders kann ich mir nicht erklären, dass er ein Bauprojekt um 25 Millionen Euro in Auftrag gibt, ohne den Gemeinderat ernsthaft über die Kosten und die Finanzierung zu informieren“, sagt Lorenz Potocnik.

WERBUNG

Eine offizielle Anfrage an den Bürgermeister bestätigte: Es gibt immer noch keinen Gemeinderatsbeschluss, der dem Projekt Donauparkstadion irgendeine Rechtsgültigkeit verleihen würde. Mehr noch: Bislang wurde der Gemeinderat als zuständiges Gremium nicht mal ausreichend über das Mega-Bauprojekt, das schon in einem halben Jahr (Sommer 2021) begonnen werden soll, informiert. Was besonders schwer wiegt: In seiner Funktion als Bürgermeister hat Klaus Luger kein Recht, so große Projekte im Alleingang zu genehmigen oder durchzuboxen.

Ausschnitt aus den Presseunterlagen der Stadionpräsentation vom Juli 2019
„Maximal 9 Millionen Euro Investitionskosten“ – jetzt 25 Millionen Euro?
Dass die Sache für die Stadt richtig teuer wird, sickert aber mehr und mehr durch: Aktuelle Schätzungen gehen von 25 Millionen Euro Baukosten aus, die von Luger auch gar nicht mehr dementiert werden. Bei der Projektpräsentation im Juli 2019 war noch von (unrealistischen) neun Millionen Euro die Rede. Diese Summe hätten sich Stadt Linz, Land OÖ und der dort spielende Klub Blau-Weiß Linz zu je einem Drittel aufgeteilt (siehe oben). Jetzt hat sich diese Summe verdreifacht – zulasten der Stadt Linz: Das Land OÖ hat seinen Kostenanteil mit drei Millionen Euro gedeckelt – und der seit Jahrzehnten finanzmarode Fußballklub Blau-Weiß Linz wird aller Voraussicht nach nicht mal die ursprünglichen drei Millionen Euro aufbringen können. Potocnik: „Das ist reines Wunschdenken gepaart mit Größenwahn. Der Verein hat ein Jahresbudget von 1,5 Millionen Euro und verzeichnet laut Medienberichten in der letzten Saison ein Minus von 800.000 Euro, das laut Insidern stadtnahe Unternehmen kurzerhand abgedeckt haben.“

Zusätzlich Millioneninvestition für Trainingszentrum nötig
Die kaum zu stemmende Finanzierung des Stadions ist das eine. Lorenz Potocnik: „Was keiner laut auszusprechen wagt: Zu den Kosten für die Arena kommt noch dazu, dass der Verein ein Trainingszentrum benötigt, weil beim Stadion selbst keinerlei Raum für Trainingsplätze zur Verfügung steht.“ Für den Betrieb eines Vereins dieser Größenordnung (mit der 1b-Mannschaft und evtl. auch den Mannschaften der Jugendabteilung) sind drei Trainingsplätze nötig. Dieses Trainingszentrum muss ebenfalls erst errichtet oder adaptiert werden. Auch hier ist realistisch gesehen eine Millioneninvestition nötig. Der SV Ried baute vor einigen Jahren ein Trainingszentrum, das mit „Nebengeräuschen“ vier Millionen Euro kostete. Im urbanen Bereich von Linz ist kaum mit niedrigeren Kosten zu rechnen. Lorenz Potocnik: „Wo wird der Klub trainieren und was wird dieses neue Trainingszentrum kosten? Auch das sind grundlegende Fragen, die bis dato nicht mal zur Sprache gekommen sind.“

Auch im Betrieb sind hohe Abgänge zu erwarten
Klar ist auch: Außer den 15 Zweitliga-Heimspielen pro Jahr sind im Neuen Donauparkstadion weder Trainingseinheiten noch andere Veranstaltungen möglich. Der FC Blau-Weiß Linz verzeichnete in den 23 Jahren seines Bestehens einen maximalen Zuschauerschnitt von 1.500 Fans pro Spiel, in der letzten Saison waren‘s sogar nur knapp 1.000: „Man muss kein Mathematik-Genie sein, um zu wissen, dass da am Ende ein hoher Abgang beim Betrieb des Stadions herauskommen wird. Schätzungen gehen von jährlichen Betriebskosten von bis zu einer Million für das Stadion und mindestens nochmal so viel für das Trainingszentrum aus. Da Bürgermeister Luger bereits erklärte, dass die Stadt Linz Besitzer der Arena und des Trainingszentrums sein wird, kommen hier mit aller Wahrscheinlichkeit weitere enorme Kosten auf Linz zu – und das über Jahrzehnte, auch dann wenn Luger schon längst nicht mehr im Amt ist.“
Notbremse ziehen und alle Karten auf den Tisch

Rechnet man alle Investitionen und Betriebskosten zusammen, kommt man auf eine realistische Investitionssumme von mittlerweile über 30 Millionen Euro – bisher ohne jeden Beschluss, ohne jede klare Finanzierung. Lorenz Potocnik: „Wir müssen bei diesem finanziellen Luger-Amoklauf jetzt die Notbremse ziehen. Alle Karten müssen auf den Tisch, bevor wir weiter Luftschlösser bauen, die Linz und der Bevölkerung noch teuer zu stehen kommen!“

Mögliche leistbare Alternativen denken
„Was mir auch komplett fehlt, sind mögliche und realistischere Alternativen zu überlegen“, so Lorenz Potocnik. So könnte das bestehende Donauparkstadion auch schrittweise erweitert werden oder schlicht und einfach kleiner ausfallen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Verbandsanlage in der Neuen Heimat zu einem Kleinstadion mit (ausreichenden) 3.000 Plätzen zu erweitern: „Eine moderne Tribüne gibt es dort bereits, ebenso Kunstrasen- Trainingsplätze und einen volltauglichen Kabinentrakt.“ Für die Idee spricht zudem, dass der FC Blau-Weiß Linz dort ohnehin ab Februar 2021 für die nächsten zwei bis drei Jahre seine Zweitliga-Heimspiele austrägt.







instagram facebook youtube