Nette Sause, aber komplett falscher Standort!


LINZ. Trotz wohlwollender und leider oft fast schon kumpanenhafter Berichterstattung wirft der Lido Sounds Standort mehr als nur ein paar Fragen auf!

Gleich vorweg: Für Kritik an musikalischen Darbietungen internationaler Künstler muss man dem Gros oberösterreichischer Medien jegliche Kompetenz abstreiten. Es fehlt einfach Routine sowie ein gelebter Vergleichswert. Auch die sehr sanft ausgefallene Manöverkritik am Veranstalter in diversen Blättern muss man da und dort auch richtig einordnen. Wer als Veranstalter oder Medienpartner ähnlich große Events – natürlich auch nur mit Zustimmung der Behörden und nach dem Warmhalten der öffentlichen Meinung – über die Bühne bringen kann, der wird diesem Festival eher keine Steine oder negative Schlagzeilen in den Weg legen. Dies gilt vielleicht auch für positiv aufgeregte Gratiskartenverloser.

Auf der lärmgeplagten und stark belasteten Strecke bleiben dafür tausende direkte Anwohner in den umliegenden Straßen sowie zehntausende weitere Linzer, die unfreiwillig im großen Radius akustische Anrainer wurden.

Wer auf Basis der Zuerkennung “öffentlichen Interesses” die Genehmigung für ein ganz neues Festival dieser Größe mitten in Linz bekommt, muss sich jedenfalls auch Kritik stellen. Argumente wie etwa gewachsene Jahrmarkttraditionen oder Anrainer, die es ja beim Einziehen hätten wissen müssen, zählen also nicht. Obwohl der Abbau erst läuft, kann man bereits ein Fazit ziehen. Zwangsbeschallung ganzer Stadtviertel kann in dieser Form kein “öffentliches Interesse” sein! Zumal der dortige Platz augenscheinlich viel zu klein und auch nicht besonders praktisch ist.

Der trainierte Tetris-Spieler – ein puzzleartiges Computerspiel eines russischen Programmierers – geht bekanntlich bei voller Spielfläche “Game Over”. Am Jahrmarktgelände wurde aber einfach das Nutzungsgebiet zum Nachteil der Wohnbevölkerung munter erweitert. Am Ende wurden Flächen und Straßen von Alt-Urfahr bis unter die Voestbrücke „bespielt“. Dazwischen wurden Shuttlefahrten nötig, gut 200 Parkplätze und der angeblich touristische so wichtige Donauradweg tagelang gesperrt.

Eben jener – sicher zufällig – für die Sicherheit der Radfahrer kürzlich ausgebaute Radweg wurde zur Zufahrtsstraße für LKW und Busse an einem Spielplatz vorbei. Auf Plänen stellt die Kirchengasse oder etwa ein Teil des SV Urfahr Platzes einen Fluchtweg dar. Die eine Option ist extrem eng und letztere Möglichkeit endet vor einem monströsen Holzspielgerät.

Wochenlange Aufbauarbeiten forderten die direkten Nachbarn, das Konzertwochenende dann aber weitaus mehr Menschen. Aufgeschnittene Zäune und in Hecken gerissene Löcher sollen nach ersten Beschwerden zwar diese Woche noch gerichtet werden, eine ganze Wohnanlage ungeschützt den sparsamen Zaungästen zu überlassen löste jedenfalls keinen Jubel in der Nachbarschaft aus.

Den medial gefeierten Balkonparties sind bildgewaltig Reichweite sicher. Fraglich ist jedoch, wer neben der Party mit geladenen Freunden auf Mama’s Balkon auch die Schicksale der nicht feiernden Wohnungsmieter auf dem Schirm hat. Dort wo die ältere Generation teils ob Alter und Krankheit ohne fremde Hilfe nicht mehr die Wohnung verlassen kann, sieht sich anscheinend die Politik nicht zuständig. Wer zu schwach ist am 1. Mai am Hauptplatz marschierend Freundschaft zu rufen, der ist in Linz irgendwie nicht mehr berücksichtigungswürdig.

Glaubt man diversen Berichten, so sollen von den rund 60.000 Besuchern samt hunderter wochenlang beschäftigter Techniker nur 6.000 Nächtigungen generiert worden sein. Eine dürftige Ausbeute im Vergleich zu den Emissionen, dem Lärm und diversesten Einschränkungen. Wenig unerwartet gab es aber Chaos am Bahnhof, schließlich wollten die Massen eben schnell wieder heim. Bei der ÖBB wurden laut Berichten die Kapazitäten sogar knapp.

Wer am Abend die endlos wandernden Besucher auf der gesperrten und abgegitterten Nibelungenbrücke sah, gerät auch über die lange beworbene Öffi-Anreise ins Grübeln. Straßenbahnhaltestellen und Unterführungen wurden gesperrt, die Nutzung von Öffis war also mehr Werbegag und Greenwashing denn Realität.

Insgesamt sind die Interessen mehr als unverhältnismäßig verteilt. Für den Spaß weniger angereister Musikfans und den möglichen Profit einer großen Konzertagentur eine Vielzahl von Menschen zwangszubeglücken, erscheint willkürlich und getrieben von Motivationen, die man vielleicht ehrlich offen legen sollte. Aber bitte ehrlicher als der medial kommunizierte Umgang mit den Linzern, denn viele am Amt bekannten Fakten zum Festival wurden vorab den Anwohnern nicht offengelegt. Da helfen auch keine netten Worte in Interviews.

Vergleiche vom Lido Sounds mit internationalen Top-Events durch Mitarbeiter städtischer Betriebe muten vor diesem Hintergrund fast schon frech an. Es gäbe da an einigen Stellen – die wir derweilen höflich ungenannt lassen – sehr vieles ins Positive zu drehen! Das Tagesgeschäft so mancher Redenschwinger wirkt im Vergleich zu diesen Eventdimensionen wie Minimundus.

Der sonst so innovationsfreudige Bürgermeister wird sicher eine Idee für einen alternativen Standort haben, zur Not eben auf privater und nicht auf städtischer Fläche. Die Donaunähe als Argument fällt jedenfalls ins sprichwörtliche Wasser. Mit Planen behangene Zäune versperrten den Besuchern ohnehin jeden Blick.

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