🤔 “Phänomenal” könnte für Silvesterparty leider die falsche Umschreibung sein.
LINZ. Steuergeldsause wird nun medial sogar als Hit verkauft.
Holla, die Waldfee! Ein Leser fragte bereits nach einer Feedbackrunde zur Hauptplatzparty. Grund genug für eine kleine Analyse samt kleinem Vergleich.
Denn auch ein Blick in die Zeitungen sorgt für Stirnrunzeln. Laut gleichlautender Medienberichte – vermutlich wurde einfach eine Aussendung übernommen – wurde für das Jahreswechselevent am Hauptplatz “mehr als ein Jahr lang hart gearbeitet und organisiert”.
Angesichts der Klappbühne (die auf einem Anhänger angefahren wurde) zwei Bierständen, einem Burgerstandl, einer Pommesbude sowie mehrerer Absperrgitter und Betonpoller mit L_nz-Logo, wirkt die Effizienz des OK-Teams nicht gerade schlagkräftig.
Was Dritte an sich nicht kümmern müsste. Immerhin bezahlt man nicht das Gehalt der lange beschäftigten Organisatoren. Allerdings wurde in einer Stadtsenatssitzung für das Event ein Sonderbudget in der Höhe von 36.000 Euro beschlossen. Zudem wurden weitere Dienste der Stadt kostenlos beigesteuert. Bei so viel Steuergeld und mitfeiernden politischen Amtsträgern ist ein genauerer Blick fast schon Pflicht. Immerhin läuft anscheinend – viele Zeichen sind erkennbar – bereits der Vorwahlkampf 2027.
Die zitierte “phänomenale Stimmung” wurde von mehreren Gästen der Veranstaltung nicht wirklich so erlebt. Betont wurde allerdings ausdrücklich der für Linz schon fast ungewöhnliche, vorfallslose Abend: keine Raufereien, kein Stänkern und allgemein eine wirklich anständige Atmosphäre. Auch preislich hielten sich die Wirte – es gab Zutrittskontrollen und ein Verbot von Flaschen – eher zurück. Immerhin.
Gefehlt hat aber ausgelassene Stimmung, Glamour, Show und vor allem das Feuerwerk. Zumal unterm Jahr ja auch einiges in den Himmel geschossen wird.
Neben vieler Worthülsen gibt es bis dato – trotz Zugangskontrollen – anscheinend noch keine Besucherzahl. Es kursieren lediglich Übersichtsfotos von der feiernden Menge. Eine konkrete Zahl würde im Angesicht der hohen Kosten für den Steuerzahler eine Vergleichsgrundlage zur Bewertung der Leistung bieten. Auch offen ist die Frage, wie viele belegbare Nächtigungen das Event brachte und welche sonstigen Effekte die Veranstaltung hatte.
Ein Blick auf Bilder zeigt jedenfalls einen eher überschaubaren Andrang. Auf einem besagten Übersichtsfoto konnten mit einem technischen Tool knapp 800 Personen gezählt werden. Im dicht gedrängten Bereich vor der Bühne befanden sich laut Auswertung ca. 450–500 Personen. Die restlichen Menschen labten sich bei den angrenzenden Gastgärten oder standen am weitläufigen Platz.
Der Fotovergleich mit früheren Events zeigt jedenfalls: Damals standen die Menschen auch dicht auf den Gleisen und füllten weitaus mehr Fläche. Bestätigen könnte dies vielleicht einer der jetzigen Gastropartner des Events – immerhin war er damals (weiße Jacke) der DJ. Die Stimmung war damals übrigens, bei weniger Aufwand für den Steuerzahler, um einiges besser.
Auch gab es nicht “zum ersten Mal seit sechs Jahren” eine Silvesterparty in Linz. Denn 2024/2025 wurde etwa in der Altstadt groß gefeiert. Und auch 2022 war einiges los – konkret deutlich mehr als heuer. Zum Jahreswechsel 2022/2023 hatte die Stadt wegen Corona sämtliche Feierlichkeiten abgesagt und in ganz Österreich galt eine allgemeine Sperrstunde um 22 Uhr.
Sogenannte “Maßnahmengegner” meldeten dann einfach eine Demonstration an und zogen mit Polizeibegleitung durch die City. Der Sound kam von einer Musikanlage auf einem Hänger. Der Tross zog von Urfahr bis in den Volksgarten und zurück auf den Hauptplatz. Rund 120 Polizisten standen damals im Einsatz, zumindest 1.300 Demonstranten “feierten” den Jahreswechsel.
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