🙄 Kurioser Jubel zum Anstieg der Nächtigungszahlen (0,6 %) in der Region Linz.


In Wien gab es ein Plus von 6,5% in Eisenstadt +11,3%!

Vermeintlicher Erfolg ist im Vergleich mit anderen Destinationen eher keiner.

Mehr oder weniger komplett ohne Kritik wurde diese Woche von einigen Medien die vermeintliche Jubelmeldung zu touristischen Erfolgen in Linz verbreitet. Jubel ist allerdings bei genauer Betrachtung keinesfalls angebracht.

Ein Anstieg der Nächtigungszahlen von 0,6 % ist kein echtes Highlight. Wien hat etwa ein Plus von 6,5 % vorzuweisen. Salzburg und Graz liegen bei jeweils +5 %, Innsbruck bei +4 % und selbst St. Pölten und Klagenfurt stehen mit je +3 % Nächtigungsplus gut da. Eisenstadt war unter den Landeshauptstädten im Vorjahr mit 11,3 % Zuwachs der Spitzenreiter. Die dortige Tourismuswebsite punktet mit scharfen Fotos, klarer Sprache sowie einem ansprechenden, ungekünstelten Schriftbild.

Die „Destination Linz“ hatte im Vorjahr insgesamt 1.137.716 Nächtigungen zu verzeichnen. Die „Destination Linz“ ist aber seit einigen Jahren nicht mehr Linz alleine, sondern eine Region inklusive Ansfelden und Kirchschlag. Langjährige Vergleiche mit dem klassischen Kerngebiet sind also obsolet. Wenn ein Gast in einem Seminarhotel weit abseits der Innenstadt im Mühlviertel beruflich bei einer mehrtägigen Schulung verweilt, suggeriert die Statistik womöglich eine Top-Wirkung der wenig inspirierenden Linzer Tourismusvideos oder unscharfer Social-Media-Fotos. „Visit Linz“ war in solchen Fällen aber weder das Ziel, noch fand der Aufenthalt im eigentlichen Stadtgebiet statt.

Hauptgrund für die kurze Verweildauer von nur rund 1,8 Tagen ist der Fokus auf den Geschäftstourismus. Hier wird auch eine Strategie mit Paid-Content in den sozialen Medien kaum entgegenwirken können – selbst wenn Wollgeschäfte beworben werden. Der Standort Linz ist, auch wenn es viele Verantwortliche nicht hören wollen, eine Industrieregion. Gott sei Dank! Denn mit steuergeldintensiven Neugründungen digitaler Unis, kostenlosen Festivals, den beworbenen Zahlungen an die freie Kunstszene oder anderen teuren und kuriosen Ideen wird man die Finanzlöcher nicht stopfen und Schuldenberge nicht abbauen können.

Fast schon befremdlich ist die ablehnende Haltung der Touristiker gegenüber einem 5-Sterne-Haus. Angeblich gäbe es dafür in Linz kein Klientel. Eine Haltung, die angesichts der Marketing-Aktionen der letzten Jahre kaum verwundert, im Grunde aber eine Kapitulation vor dem eigentlichen Auftrag darstellt.

Das Klientel von 5-Sterne-Hotels besäße Kaufkraft sowie Stil und würde die stets angepriesenen High-End-Angebote im Kulturbereich schätzen – und zwar als Vollzahler. Nicht als Gast, der per Bus aus dem oberen Mühlviertel, organisiert von einem Pensionistenverband, ins Musiktheater gefahren wird.

Während die von der Tourismusabgabe betroffenen Unternehmer bereits vor dem nächsten „Videohighlight“ zittern, wundern sich Internetnutzer über die vielen freien Zimmer am Wochenende nach Ostern. Obwohl mehrere Großevents anstehen (Marathon, WTA-Tour, Fußball-Bundesliga, das Handball-Frauen-Nationalteam, Angelo Kelly, Pretty Woman Musical), finden sich auf gängigen Buchungsplattformen zahlreiche freie Kapazitäten. Eine echte touristische Relevanz scheinen diese Veranstaltungen leider nicht zu haben; die geballte und mit viel Steuergeld geförderte Eventdichte müsste die verfügbaren Betten (rund 7.800) eigentlich füllen können.

Immerhin: Komische Videos und unscharfe Fotos gibt’s anscheinend nur in L_nz!

Einige spannende Zahlen gibt es auch auf statistik.at!

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