11€ Reiseleiter Stangerl soll Waffe sein

LINZ. Recherchefehler oder Ermittlungspanne? Zeigestab wurde als Waffe präsentiert!

Jetzt lachen – mit Ausnahme des Betroffenen – nicht nur Telegram-User. Den medial präsentierten “Teleskopschlagstock der zu den verbotenen Waffen im Sinne des Waffengesetzes zählt” kann man für 10,99 Euro bei Amazon kaufen. Und zwar als “2 Meter Handheld Teleskop Fahnenmast, Zeiger Reiseleiter Banner, Lehrpointer, mit Schwammgriff für Reiseleiter Camping Travel”.

Altmodisch beschrieben also ein Zeigestab für Reiseleiter mit Ösen zur Befestigung einer Fahne.

Das eher sehr billig und wenig stabil wirkende Stangerl wird dort in der güstigsten Version auch gleich in mehreren Farben angeboten. Bei einer Länge von 200cm bringt es die Fahnenstange gerade einmal auf 142 Gramm.

Vergleicht man die Dimensionen mit einem klassischen – VERBOTENEN – Teleskop-Schlagstock wird der Unterschied deutlich. Ausgezogen wiegt ein Exemplar mit einer Gesamtlänge von ca. 40cm ab 420g aufwärts. Ein echter Schlagstock dürfte also deutlich stabiler gebaut sein. Schlagstöcke mit einer Länge von 2 Metern konnten wir bei unserer Recherche übrigens überhaupt nicht finden.

Natürlich wird man nun auch mit dem Zeigestab zuschlagen können – was auch jedenfalls zu verurteilen ist – angesichts der ohnehin schon aufgeheizten Stimmung sollte man sich in Zeiten wie diesen aber auf solide Angaben verlassen können. Diese dürften in dem konkreten Fall jedoch eher nicht vorliegen.

Ein weiterer Gedanke betrifft im Zusammenhang mit möglichen Schlagwerkzeugen auch Medien und Medienmacher selbst. Immerhin haben Kameraleute und auch Fotografen Stative oder Einbeinstative deutlich stabilerer Bauart bei sich. Hoffentlich kommt es nicht auch hier einmal zu Verwechslungen!

UPDATE 19:12 Uhr: In der ORF Sendung “OÖ heute” wurde der Umstand der Verwechslung des Gegenstandes soeben richtig gestellt. Es handelt sich um eine “Fahnenstange”.

Hinweis: Wir verurteilen körperliche Gewalt und auch Drohungen gegen Dritte! Dramatische Meldungsinhalte sollten aber auch korrekt aufbereitet sein. In diesem Zusammenhang dürfen wir auch an das Zahlenchaos rund um das Linzer Lichtermeer erinnern!

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